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Der vernachlässigte Wärmesektor

Am Endenergieverbrauch hat die Wärmeenergie einen Anteil von über 50 Prozent. Die Emissionen beim Beheizen von Gebäuden zu reduzieren, hätte folglich eine große Hebelwirkung fürs Klima. Welche Strategien verfolgen Deutschland und Großbritannien, um diese großen Potentiale zu heben? Eine Studie von Wissenschaftlern des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) belegt, dass beide Länder weitaus mehr für eine wirksame Eindämmung des Klimawandels im Heizungssektor tun müssten.

Ging es in den vergangenen Jahren um die Energiewende, lag der Fokus politischer Entscheider vornehmlich auf der Reduktionen von CO2-Emissionen der Stromproduktion. Der Wärmeenergiesektor wurde kaum einbezogen. Dabei wird lediglich ein Viertel der Endenergie über den Strom verbraucht, mehr als die Hälfte jedoch über die Wärmeenergie. Folglich wäre die Reduzierung der Kohlendioxidemissionen beim Heizen von Gebäuden ein wichtiger Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels. Für eine in „Energy Research & Social Science“ veröffentlichte Studie analysierte ein Team des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) das transformative Potenzial der deutschen und britischen Politik zur Dekarbonisierung des Wärmesektors.

Die Emissionsreduktion würde nicht allein durch Effizienzsteigerungen bestehender Technologien erreicht, so die Autoren, sondern erfordere zugleich eine Umgestaltung des gesellschaftlichen Energiebedarfs. Am Konzept der transformativen Umweltpolitik (TEP), 2018 für das Umweltbundesamt als Konzept dargestellt, haben die Autoren die transformative Ambition im Wärmeenergiesektor von Regierungspolitik überprüft. TEP lieferte Ihnen den Rahmen für die Bewertung – in diesem Falle von Deutschland und Großbritannien.

„Da sie die beiden größten Volkswirtschaften in Europa sind und einen weitgehend ähnlichen Wärmebedarf haben, eignen sich Deutschland und Großbritannien ganz besonders gut für einen Vergleich der Steuerung des Heizungssektors“, sagt Leonard Frank, Erstautor der Studie. Sie unterlägen außerdem beide dem gemeinsamen Rahmen der europäischen Energieeffizienz-Richtlinie, die der Gebäudeheizung große Bedeutung beimesse.

Weichen zur Veränderung werden nicht gestellt

„Die Analyse der politischen Strategien der beiden Länder hat uns offenbart, dass keine der Regierungen derzeit annähernd alle transformativen Potentiale ausschöpft, die beispielsweise das Konzept der TEP vorschlägt, an dem wir die beiden Strategien gemessen haben“, sagt Frank, der inzwischen an der Universität Freiburg forscht. Keines der Länder verfüge über ausreichende Instrumente wie etwa Gesetze, Förderprogramme oder Regulierungsmaßnahmen, um systematisch Gelegenheitsfenster für Investitionen in kohlenstoffarme Heizinfrastrukturen zu schaffen.

Darüber hinaus seien Politikinstrumente für den Verzicht auf fossile Brennstoffe im Gegensatz zu kohlenstofffreien Baustandards weitgehend unflexibel, „dabei sind solche Strategieelemente notwendig, um einen Ausweg aus der etablierten fossilen Wärmetechnologie zu finden“, erläutert Frank.

Empfehlung der Autoren: Mehr strategische Anreize schaffen

Die Autoren empfehlen daher auf zentraler Ebene eine Verpflichtung zum Ausstieg aus CO2-intensivem Heizen einzuführen, möglicherweise gekoppelt an Ziele für die Sanierung des Gebäudebestands. Dies sollte in eine Abfolge geplanter politischer Interventionen eingebettet werden. Auf diese Weise könnte es gelingen, den derzeitigen Heizmarkt zu öffnen – und so die Transformation zu einem CO2-armen Wärmesektor voranzubringen. „Im Rahmen der Konjunkturprogramme für den Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Corona-Krise könnten Prämien für den Einbau von Wärmepumpen sowie die energetische Gebäudesanierung einen wichtigen Anstoß auf diesem Weg geben,“ empfiehlt Rainer Quitzow, der die Studie am IASS leitete.

Ein klarer Fokus auf den Einsatz von Instrumenten entsprechend der Übergangsphasen könnte vom Vereinigten Königreich übernommen werden. Dort sollten soziale Innovationen wie der Einsatz von Energieberatung in die Strategie aufgenommen werden - derzeit gebe es dies nur in Schottland, möglicherweise unter Rückgriff auf deutsche Erfahrungen. In ähnlicher Weise sollte die Berufsausbildung auf CO2-freies Heizen ausgerichtet werden, als ein Element einer Neuausrichtung der Strategie.

Zugleich müssten in Großbritannien die Ausstiegsverpflichtungen für Öl- und Gasheizungen verstärkt werden, um die Dekarbonisierung des Heizungssektors zu forcieren. Auch dort könnte ein Schritt in diese Richtung die Wiedereinführung von Zielen für die Sanierung des Gebäudebestands sein.

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Gas-News

Der vernachlässigte Wärmesektor

Am Endenergieverbrauch hat die Wärmeenergie einen Anteil von über 50 Prozent. Die Emissionen beim Beheizen von Gebäuden zu reduzieren, hätte folglich eine große Hebelwirkung fürs Klima. Welche Strategien verfolgen Deutschland und Großbritannien, um diese großen Potentiale zu heben? Eine Studie von Wissenschaftlern des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) belegt, dass beide Länder weitaus mehr für eine wirksame Eindämmung des Klimawandels im Heizungssektor tun müssten.

Ging es in den vergangenen Jahren um die Energiewende, lag der Fokus politischer Entscheider vornehmlich auf der Reduktionen von CO2-Emissionen der Stromproduktion. Der Wärmeenergiesektor wurde kaum einbezogen. Dabei wird lediglich ein Viertel der Endenergie über den Strom verbraucht, mehr als die Hälfte jedoch über die Wärmeenergie. Folglich wäre die Reduzierung der Kohlendioxidemissionen beim Heizen von Gebäuden ein wichtiger Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels. Für eine in „Energy Research & Social Science“ veröffentlichte Studie analysierte ein Team des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) das transformative Potenzial der deutschen und britischen Politik zur Dekarbonisierung des Wärmesektors.

Die Emissionsreduktion würde nicht allein durch Effizienzsteigerungen bestehender Technologien erreicht, so die Autoren, sondern erfordere zugleich eine Umgestaltung des gesellschaftlichen Energiebedarfs. Am Konzept der transformativen Umweltpolitik (TEP), 2018 für das Umweltbundesamt als Konzept dargestellt, haben die Autoren die transformative Ambition im Wärmeenergiesektor von Regierungspolitik überprüft. TEP lieferte Ihnen den Rahmen für die Bewertung – in diesem Falle von Deutschland und Großbritannien.

„Da sie die beiden größten Volkswirtschaften in Europa sind und einen weitgehend ähnlichen Wärmebedarf haben, eignen sich Deutschland und Großbritannien ganz besonders gut für einen Vergleich der Steuerung des Heizungssektors“, sagt Leonard Frank, Erstautor der Studie. Sie unterlägen außerdem beide dem gemeinsamen Rahmen der europäischen Energieeffizienz-Richtlinie, die der Gebäudeheizung große Bedeutung beimesse.

Weichen zur Veränderung werden nicht gestellt

„Die Analyse der politischen Strategien der beiden Länder hat uns offenbart, dass keine der Regierungen derzeit annähernd alle transformativen Potentiale ausschöpft, die beispielsweise das Konzept der TEP vorschlägt, an dem wir die beiden Strategien gemessen haben“, sagt Frank, der inzwischen an der Universität Freiburg forscht. Keines der Länder verfüge über ausreichende Instrumente wie etwa Gesetze, Förderprogramme oder Regulierungsmaßnahmen, um systematisch Gelegenheitsfenster für Investitionen in kohlenstoffarme Heizinfrastrukturen zu schaffen.

Darüber hinaus seien Politikinstrumente für den Verzicht auf fossile Brennstoffe im Gegensatz zu kohlenstofffreien Baustandards weitgehend unflexibel, „dabei sind solche Strategieelemente notwendig, um einen Ausweg aus der etablierten fossilen Wärmetechnologie zu finden“, erläutert Frank.

Empfehlung der Autoren: Mehr strategische Anreize schaffen

Die Autoren empfehlen daher auf zentraler Ebene eine Verpflichtung zum Ausstieg aus CO2-intensivem Heizen einzuführen, möglicherweise gekoppelt an Ziele für die Sanierung des Gebäudebestands. Dies sollte in eine Abfolge geplanter politischer Interventionen eingebettet werden. Auf diese Weise könnte es gelingen, den derzeitigen Heizmarkt zu öffnen – und so die Transformation zu einem CO2-armen Wärmesektor voranzubringen. „Im Rahmen der Konjunkturprogramme für den Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Corona-Krise könnten Prämien für den Einbau von Wärmepumpen sowie die energetische Gebäudesanierung einen wichtigen Anstoß auf diesem Weg geben,“ empfiehlt Rainer Quitzow, der die Studie am IASS leitete.

Ein klarer Fokus auf den Einsatz von Instrumenten entsprechend der Übergangsphasen könnte vom Vereinigten Königreich übernommen werden. Dort sollten soziale Innovationen wie der Einsatz von Energieberatung in die Strategie aufgenommen werden - derzeit gebe es dies nur in Schottland, möglicherweise unter Rückgriff auf deutsche Erfahrungen. In ähnlicher Weise sollte die Berufsausbildung auf CO2-freies Heizen ausgerichtet werden, als ein Element einer Neuausrichtung der Strategie.

Zugleich müssten in Großbritannien die Ausstiegsverpflichtungen für Öl- und Gasheizungen verstärkt werden, um die Dekarbonisierung des Heizungssektors zu forcieren. Auch dort könnte ein Schritt in diese Richtung die Wiedereinführung von Zielen für die Sanierung des Gebäudebestands sein.

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